ZUCHTKONZEPTE - a) "Outcrossing"; b) Inzucht, Linienzucht und Outcrossing

  • Liebe Leserinnen und Leser,


    zum Thema „Zuchtkonzepte“ werden nach und nach interessante Artikel zu Themen wie „Outcrossing“, "Inzucht, Linienzucht und Outcrossing", "Die Suche nach dem richtigen Zuchtrüden" usw. veröffentlicht. Der Übersichtlichkeit halber werden nicht alle Beiträge zusammen untereinander eingestellt, sondern erhalten größtenteils einen eigenen Thread. Damit wird das endlose, mühselige Scrollen vermieden.



    Heike Sonnefeld und Petra Platen
    Redaktion



    Outcrossing (Auskreuzung) – Wenn, wann und warum?


    Autor: William Given
    Original-Artikel: Outcrossing - If, When & Why? In: The Canine Chronicle – November-December 2015
    http://caninechronicle.com/?p=93409
    Übersetzung: Elke Buhlmann, Petra Platen und Heike Sonnefeld



    Inzucht und Linienzucht befähigen uns, unsere eigene Linie in der von uns gewählten Rasse zu festigen. Diese Zuchtsysteme gewähren uns die Möglichkeit, die Eigenschaften, die wir in unserer Linie am meisten anstreben, einfacher zu festigen. Sie sind jedoch nicht die einzigen Methoden, die uns zur Zucht zur Verfügung stehen.


    Als Outcrossing bezeichnet man die Verpaarung zweier Hunde, die in keiner Weise miteinander verwandt sind. Einige Züchter würden Outcrossing als die Verpaarung zweier Hunde bezeichnen, die in vier Generationen ihres Stammbaumes keine gemeinsamen Vorfahren haben.


    Diese Definition scheint vernünftig, weil die Gene, die die resultierenden Nachkommen beeinflussen, in den ersten vier Generationen konzentriert sind. Outcrossing bietet in der Tat Vorteile, jedoch sollte jeder Züchter, der über die Idee einer Outcross-Zucht nachdenkt, dies nur in die Tat umsetzen, wenn er damit ein bestimmtes Ziel verfolgt.


    Es gibt einige sehr gute Gründe, warum ein erfahrener Züchter ein Outcross wählen würde. Der Erste ist, eine Eigenschaft in seine Linie zu bringen, die nicht vorhanden ist. Und - entsprechend dem ersten Grund - auf eine Stärke aufzubauen, um daraus nicht nur eine gute Eigenschaft zu machen, sondern eine außergewöhnliche.


    Der zweite Grund ist, alle Fehler abzumildern, die durch homozygot-rezessive Gene verursacht werden. Drittens ist Outcrossing unbedingt notwendig, wenn eine Linie einen Verlust an Vitalität aufweist (manchmal als Inzuchtdepression bezeichnet), der sich durch mangelnde Abwehrkräfte oder Unfruchtbarkeit zeigt.


    Folgen des Outcrossings
    Meistens zeigen die Welpen eines Outcross der ersten Generation aus zwei hervorragenden Ausstellungshunden viele überragende Eigenschaften ihrer Eltern. Das ist der Grund – wenn eine Reihe von Welpen der ersten Generation einer Outcross-Verpaarung hervorragende Ausstellungshunde werden – warum ihr Züchter und andere, denen das aufgefallen ist, übereilt ähnliche Züchtungen durchführen.


    Nach der ersten Generation einer Outcross-Verpaarung kann ein Züchter jedoch alles verlieren, was er aus einem erfolgreichen Outcross gewonnen hat, es sei denn, er oder sie züchtet zurück auf seine oder ihre gefestigte Linie. Um als Züchter erfolgreich zu sein, muss man danach streben, Welpen hervor zu bringen, die genetisch dominant für alle Eigenschaften sind, die der Rassestandard fordert.


    Je näher ein Züchter dem Ideal kommt, desto einheitlicher im Typ werden die Welpen und Hunde sein, die er züchtet. Setzt ein Züchter Hunde ein, die entfernter verwandt sind oder keine gemeinsamen Vorfahren in ihrer Linie haben, sollte er erwarten, dass die Würfe weniger einheitlich werden.


    Alle Vorteile, die durch Outcrossing erzielt werden, können womöglich nicht als Teil der genetischen Konstitution einer Zuchtlinie berücksichtigt werden, bis diese Merkmale durch In- oder Linienzucht in der Linie gefestigt sind. Ein Züchter sollte Outcrossing in Erwägung ziehen, ganz einfach als Mittel zum Zweck. Im Gegensatz zum Glauben mancher Züchter, kann und wird ein erfolgreicher Outcross nicht alle Mängel seiner Linie in einer einzigen Generation heilen.


    Die unvermeidliche Tragödie ist, dass die Jungen der folgenden Generationen einer Outcross-Zucht vergleichsweise heterogene Würfe sein werden, was sich leicht als absoluter Mangel an Einheitlichkeit entwickeln kann. Dies wird den Züchter nicht nur daran hindern, den korrekten Typ zu erhalten, sondern dazu führen, dass seine Linie und die Rasse zunehmend unterschiedliche Typen in Größe und Gebäude hervor bringen.


    Diese Züchter erweisen ihrer Rasse einen Bärendienst und, insofern sie die in erster Linie Verantwortlichen für die verstärkte Verschiedenheit im Typ sind, vergrößern den Schaden für ihren eigenen Ruf. Einheitlichkeit und Vorhersagbarkeit der Qualität der gezogenen Welpen ist das Ziel und das Markenzeichen eines guten Züchters.


    Wann outcrossen?
    Wenn Sie mich fragen "Nach wie vielen Generationen in Folge der In- oder Linienzucht sollte ich einen Outcross machen?", würde ich antworten, indem ich Sie frage: "Wie werden die sechs Richtigen bei der Ziehung der Lottozahlen am Samstag lauten?"


    Es gibt ein Ammenmärchen, das sagt, es sei nicht sicher, mehr als drei Generationen ohne Einbringen eines Outcross In- oder Linienzucht zu betreiben. Fast jeder Kollege, den ich in dieser Angelegenheit befragte, hatte eine Anekdote zu erzählen, wann diese "Goldenen Worte der Weisheit" ihm mitgeteilt worden waren und von wem. Wann diese irrige Ansicht entstanden ist, dass es nicht sicher sei, mehr als drei Generationen ohne Outcross Inzucht oder Linie zu züchten, scheint niemand zu wissen, aber es ist eben keine begründete Voraussetzung.


    Züchter, die glauben, ein Outcross muss an einem bestimmten Punkt erfolgen wie die vorher erwähnte dritte Generation, schenken dem Ammenmärchen Glauben und es ist ein Glaube, dem einige Züchter besonders treu ergeben zu sein scheinen.


    Es ist auch eine weit verbreitete Ansicht, dass "es einfach gut ist, hin und wieder frisches Blut in die Linie zu bringen". Nichts könnte der Wahrheit ferner sein. Es ist In- und Linienzucht, die (wenn sie richtig genutzt wird) den Ausschluss rezessiver Faktoren, die zu Fehlern führen, fördert und für die Reinheit in einer Linie sorgt. Es ist die enge Zucht aus einem oder mehreren hervorragenden Hunden, die Züchtern erlaubt, den Einfluss der eher mangelhaften Ureltern rasch zu minimieren und die dazu beiträgt, einen ausgeprägten Typ zu festigen.


    Gefahren fortwährenden Outcrossings
    Wenn hervorragende Ergebnisse in der ersten Generation des Outcross erzielt werden, denken viele Züchter, die Verpaarung war ein Erfolg ohnegleichen und alles, was danach zu tun ist, ist solches Outcrossing fortzuführen, um ein bedeutender Züchter mit einem gefestigten eigenen Typ zu werden und einen hohen Anteil sehr außergewöhnlicher Welpen hervorzubringen. Sie könnten nicht weiter fehl gehen, denn genau das Gegenteil wird mit Sicherheit eintreten.


    Einer allgemeinen Regel folgend ist die Nachzucht aus der ersten Generation des Outcrossings sehr häufig ziemlich einheitlich im Erscheinungsbild. Viele der Welpen sind sogar näher am Standard als Vater und Mutter. Wenn jedoch nicht in die ursprüngliche Linie zurück gezüchtet wird, so können die Welpen folgender Generationen solcher Outcrossings besonders enttäuschend sein. Der Grund ist, dass sie so viele Gene aller Eigenschaften tragen, in denen sich die Eltern unterschieden, dass die Welpen bedeutende Schwankungen zeigen, einschließlich einer beträchtlichen Anzahl von Welpen mit wenig Show- und Zuchtqualität.


    Ich möchte einigen mitteilen und andere daran erinnern, dass Outcrossing und Crossbreeding (z. B. die Kreuzung eines Labrador Retrievers mit einem Pudel = "Labradoodle") sich nur durch den Grad des Ausmaßes unterscheiden. Beides betrifft die Zucht aus zwei individuellen Hunden, deren genetische Zusammensetzung so weit auseinander geht, dass es eine signifikante Neuordnung der Gene in den Nachkommen geben muss.


    Als Züchter müssen wir uns nicht nur mit dem Phänotyp von Vater und Mutter befassen, sondern ebenso mit den Genen, die sie von ihren direkteren Vorfahren geerbt haben. Man muss bedenken, dass Outcrossing ebenso wahrscheinlich sowohl geeignet ist, positive Merkmale zu schwächen oder zu verringern, die bereits in der Linie gefestigt waren, als auch solche hinzuzufügen, die fehlten oder höchst erwünscht sind.


    Was kann durch Outcrossing erreicht werden?
    Nach meiner Überzeugung kann mit Outcrossing eine erwünschte Eigenschaft gewonnen werden, die in der Linie nicht vorhanden ist oder ein Fehler, den der Züchter nicht in der Lage ist, durch Linienzucht auszuschließen, korrigiert werden. Dazu sollte der Outcross allerdings so eng wie möglich ausgewählt werden. Ich empfehle dringend, die gewünschte Eigenschaft oder Verbesserung anzustreben, indem man einen Deckrüden wählt, der die benötigten Eigenschaften besitzt und der außerdem – wenn möglich – in der fünften oder sechsten Generation des Stammbaumes oder sogar noch enger in der Linie verwandt ist. Nutzt ein Züchter diese Methode, so kann er sich vor der Notwendigkeit bewahren, mehrere Folgegenerationen züchten zu müssen, um die durch den Outcross gewonnenen Eigenschaften zu festigen.


    Was nach einem Outcross zu tun ist, ist von großer Bedeutung. Wenn Sie Glück hatten und die gewünschten Merkmale gesichert haben oder den Fehler, der auszuschließen war, durch den Outcross korrigiert haben, ist Ihr nächster Schritt bei sorgfältiger Auswahl In- oder in Linie zu züchten, so dass die aus dem Outcross abgeleiteten Vorteile in Ihrer Linie gefestigt werden können. Falls die Ergebnisse Ihres Outcross geringer waren als Sie gehofft hatten, könnten Sie sich mit der Notwendigkeit, auszulesen und neu zu beginnen, konfrontiert sehen oder versuchen, die kläglichen Resultate durch In- oder Linienzucht wieder wettzumachen.


    Es gibt eine Reihe von Gründen, warum einige Züchter sehr gute Ergebnisse durch Outcrossing gewinnen. Der Erste ist, dass das, was ursprünglich wie ein totaler Outcross aussah, tatsächlich das Resultat einer Verpaarung zweier Hunde gewesen sein könnte, die nicht so wenig verwandt waren wie es schien, wenn man einfach drei oder vier Generationen im Stammbaum zurück schaut. Es mag gemeinsame Vorfahren weiter zurück geben.


    Der zweite Grund ist die Vererbungsfähigkeit. Ein erfolgreicher Züchter, der ernsthaft anstrebt, Welpen von hoher Qualität zu züchten, sucht gewöhnlich nach einem vererbungsfähigen Deckrüden, der nachgewiesenermaßen hervorragende Nachkommen hervor bringt. Es ist allgemein anerkannt, dass diese Hunde dominante Gene vererben, weil sie fast immer das Ergebnis solider In- oder Linienzucht sind. Deswegen haben sie die Fähigkeit, ihre eigenen Merkmale gegen die rezessiven Gene der Mutter-Hündinnen durchzusetzen.


    Aufzucht
    Viele Züchter haben mit einer sehr durchschnittlichen Hündin aus einer guten Linie angefangen. Dann investierten sie ihre Zeit, Stammbäume sorgfältig zu studieren und ihr Geld dafür, einen hervorragenden Deckrüden zur Zucht zu bekommen. Sie behalten die besten Welpen aus jedem Wurf, verbessern ihre Zucht fortwährend und werden bekannt als höchst erfolgreiche Züchter.


    Es gibt ebenso viele Beispiele von Züchtern, die in die Irre gehen und durchschnittliche oder minderwertige Hunde hervorbringen, weil sie den Blick auf den Rassestandard verloren haben. Statt Erfolg ernten sie Fehlschläge, weil sie der letzten Mode oder ihrer eigenen Phantasie hinterher laufen.


    Das Fehlen der Erfahrung
    Die Zahl der neuen Züchter, die fast nichts über die dritte und vierte Generation der Vorfahren in den Stammbäumen ihrer Hunde wissen, ist wirklich alarmierend. Viel zu viele erfahrene Züchter können nicht mal die Namen der Großväter und –mütter der Hunde nennen, die sie besitzen. Ich wette, nur einige ausgewählte der erfolgreichsten Züchter können einen Vier-Generationen-Stammbaum von auch nur einem ihrer Hunde vollständig auswendig hersagen.


    Es scheint mir angebracht, hier zu behaupten, dass ein Züchter ohne vollständiges Wissen und Verständnis für die Stärken und Schwächen aller Hunde der letzten drei Generationen im Stammbaum (vorzugsweise noch weiter zurück) mit hoher Wahrscheinlichkeit kein guter Züchter, geschweige denn jemals als bedeutend anerkannt wird.


    Ein Züchter muss wissen, woher die spezifischen Eigenschaften, sowohl die erwünschten als auch die ungewollten, kommen, wenn er erwartet, die guten zu bewahren und die schlechten auszuschließen. Dies kann nicht durch "Hobbyzucht" erreicht werden, ob es sich nun um Inzucht, Linienzucht oder Outcrossing handelt.


    Neulingen in der Zucht fehlt oft das umfassende Verständnis dafür, was ein wirklich gutes Exemplar ihrer Rasse ausmacht. Ohne dass sie recht schnell eine besondere Beziehung zu einem erfahrenen Ratgeber entwickeln, kann der Lernprozess schmerzlich langwierig sein. Viele Jungzüchter beginnen zu züchten, bevor sie auch nur das geringste echte Verständnis der Prinzipien von Genetik oder irgendwelche Erfahrungen mit der Erforschung von Stammbäumen erworben haben.


    Viel zu oft erkennen erfahrene Aussteller und Züchter die Bedeutung von Neuzüchtern nicht und versäumen, eine aktive Rolle zu übernehmen, um sicherzustellen, dass sie Erfolg im Ausstellungsring und in der Wurfkiste haben. Wir müssen bedenken, dass sie diejenigen sein werden, die denen in meinem Alter (und älter) nachfolgen, denjenigen also, die aus vielerlei Gründen laufend aus dem Spiel verschwinden.


    Hohe Standards, die sorgfältige Auswahl eines guten Zuchtbestandes, gründliche Stammbaum-Analyse, die Wahl des passenden Zuchtsystems und eine ehrliche
    Beurteilung der Nachzucht sind die Werkzeuge, die ein Züchter nutzen könnte, um eine erfolgreiche Zucht aufzubauen.

  • Inzucht, Linienzucht und Outcrossing


    Autor: William Given
    The Canine Chronical (September 2014)
    http://caninechronicle.com/?p=57107
    Übersetzung: Elke Buhlmann, Petra Platen und Heike Sonnefeld




    Inzucht, Linienzucht und Outcrossing = Auskreuzung sind Begriffe, die die drei Methoden beschreiben, nach denen man Linien kreuzt, um die erwünschte Einheitlichkeit von Geno- und Phänotyp zu erreichen. Auf sinnvolle Weise genutzt, bieten sie aufgeklärten Züchtern ein ganzes Feld an wertvollen Methoden, die helfen, die Richtung zu bestimmen und Kontrolle über eine gut geplante Zucht zu haben. Jede dieser Drei spielt eine bedeutende Rolle bei der Erfüllung der Bedürfnisse des kleinen Züchters und, in einem größeren Zusammenhang, für den Erhalt und die Pflege der Rasse und ihrer am meisten erwünschten Merkmale. Kurz definiert:


    Inzucht ist die Verpaarung zweier Hunde, die sehr eng miteinander verwandt sind: eine Schwester mit einem Bruder, Vater mit Tochter, Mutter mit Sohn, und in manchen Fällen die Verpaarung von Halbgeschwistern oder Tanten und Onkel mit Neffen und Nichten. Weil Inzucht sowohl die Gene für die Schwächen als auch die für die Vorzüge verstärkt, kann Inzucht entweder höchst erfolgreich sein oder düsteres Scheitern. Ihre Anwendung erfordert folglich die Fähigkeit, Enttäuschungen hinzunehmen, die mit mathematischer Sicherheit auftreten werden, die Bereitschaft, vielfach auszulesen und sogar Herzlosigkeit, um sicher zu stellen, dass sich dieses Scheitern nicht wiederholt.


    Linienzucht ist eine sehr viel vorsichtigere Form der Inzucht. Üblicherweise bedeutet dies die Verpaarung von weiter entfernt Verwandten mit dem Interesse, den genetischen Code eines speziellen Deckrüden und einer Zuchthündin zusammen zu fassen und damit die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, Dominanz für viele der hervorragenden Merkmale zweier Hunde zu entwickeln. Je häufiger der Name der Hündin oder des Deckrüden im Stammbaum erscheint und je näher er am Anfang steht, umso enger ist die Linienzucht geworden.


    Auskreuzung ist, wie man erwarten könnte, die Verpaarung zweier Hunde, die nicht miteinander verwandt sind. Es ist auch ein Begriff, der für das Züchten außerhalb bestimmter Familien und Linien benutzt wird, die zu eng gezüchtet wurden und eine Zuführung von fremdem Blut benötigen. Auskreuzung wird üblicherweise genutzt, um die allgemeine Gesundheit und Fruchtbarkeit wieder herzustellen, die durch Inzucht oder übertriebene Linienzucht verloren gegangen sein könnten.


    Grundlagen der Genetik


    Auf der einfachsten Stufe sind Gene Teile der DNA-Moleküle, die verursachen, dass bestimmte Proteine in der Zelle hergestellt werden und jedes erbliche Merkmal (Merkmale, die weiter gegeben werden, nicht solche, die durch Umwelteinflüsse beeinflusst werden) vorschreiben, das einen Hund zu all dem macht, was er ist. Genetische Information wird im Zellkern von den Chromosomen getragen. Vielfältige Zusammensetzungen der Gene bestimmen alles, von Farbe und Länge des Fells bis zum Körperbau und dem gesamten Wohlbefinden sowie Intelligenz und Temperament. Gene tragen Paare von Allelen, die die mitgegebenen Merkmale mehr oder weniger abwandeln. Werden sie zusammen gefügt, nennt man diese Allele dominant, wenn die Merkmale, für die sie verantwortlich sind, sich gegen andere Merkmale durchsetzen, die sich auf den entsprechenden Allelen finden. Man nennt sie rezessiv, wenn diese Merkmale sich durch das Auftreten anderer sich durchsetzender dominanter Allele nicht selbst durchsetzen können.


    Ein Gen wird homozygot genannt, wenn beide Allel-Paare dominant sind; in diesem Fall wird der Hund immer ein dominantes Allel an seine Nachkommen weiter geben, und die Nachkommen werden immer dieses dominante Merkmal zeigen. Heterozygot wird ein Gen genannt, wenn seine Allel-Paare einen dominanten und einen rezessiven Bestandteil aufweisen. In diesem Fall wird das dominante Allel sich durchsetzen, aber das rezessive ist immer noch vorhanden und kann an die Nachkommen weiter gegeben werden.


    Jedes Elternteil eines Hundes gibt 50% seines genetischen Materials an jeden seiner Nachkommen weiter. 25% von diesem Material stammt von deren Eltern, also den vier Großeltern. Nehmen wir an, man verpaart zwei Hunde, die nichts gemeinsam haben. Abhängig davon, welche 50% des genetischen Codes von Vater und Mutter beigesteuert wurden, können alle Nachkommen dieser bestimmten Verpaarung unter Umständen ziemlich unterschiedlich aussehen. Sollte dies der Fall sein, ist die gute Nachricht, dass keine bedeutenden Schwächen auftauchen werden. Schwache Rassemerkmale sind sehr häufig rezessiv und zeigen sich folglich nicht, es sei denn, sie werden in einer Weise verdichtet, die sie homozygot machen.


    Deswegen sollten die Welpen verhältnismäßig frei von angeborenen Gesundheitsproblemen sein und (zu einem Minimum) durchschnittlichen Körperbau, allgemeine Gesundheit und rassegemäße Fruchtbarkeit erreichen. Die schlechte Nachricht ist, dass der Mangel an Dominanz für bestimmte Merkmale, die man für wichtig erachtet, daran hindert, Welpen in der beständig guten Qualität zu bekommen, die man wirklich haben will. Dies ist ein klassisches Auskreuzungsdilemma. Die Ergebnisse sind sicher, aber nicht notwendigerweise spektakulär.


    Auswahl für ein erwünschtes Merkmal


    Und so funktioniert die Theorie in der Praxis: nehmen wir an, eine Hündin hat einen Großvater, der auf Grund einer bestimmten Anzahl an Merkmalen, die er an so viele seiner Nachkommen mit großer Regelmäßigkeit weiter gegeben hat, besonders geschätzt wird (wir werden den Deckrüden als Beispiel nehmen, aber es könnte ebenso gut die Zuchthündin sein). Vielleicht besaß er einen unglaublich schönen Kopf und eine grundsolide Rückenlinie oder er hatte einen raumgreifenden Gang mit viel Schwung oder ein bemerkenswertes Temperament. Vielleicht hatte er eine Kombination aus allen diesen erwünschten Rassemerkmalen. Seine Enkelin, falls man in der Auswahl der Hündin eine glückliche Hand hatte, mag einige dieser Qualitäten von ihm geerbt haben, aber sie hat nicht mehr als 25% seines genetischen Materials, und selbst das wurde durch die anderen 75%, die sie von anderen Vorfahren geerbt hat, auf irgendeine Weise verändert. Wenn nun diese Hündin mit einem nicht verwandten Rüden verpaart wird, werden die Anteile ihres überragenden Großvaters noch weiter verwässert bis alle Qualitäten, die man sich von diesem Individuum gewünscht hatte, unbedeutend werden.


    Um sicher zu stellen, dass das Erbe dieser wundervollen Hündin mit steigender Wahrscheinlichkeit weiter gegeben wird, könnte nun mit einem anderen Sohn oder Enkel des beschriebenen Deckrüden verpaart werden, der dieselben Stärken in großem Maß aufweist. Man könnte sogar mit Inzucht liebäugeln und die Hündin mit ihrem Großvater oder dessen gleich stattlichen Vollbruder verpaaren. Das Ziel der Verpaarung ist, dass die daraus entstehenden Nachkommen eine größere Konzentration des erwünschten genetischen Materials erhalten und dadurch eine höhere Wahrscheinlichkeit entsteht, dieselben hervorragenden Rassemerkmale hervor zu bringen. Diese Konzentration genetischen Materials hat außerdem eine größere Häufigkeit von homozygoten Genen für bestimmte erbliche Merkmale zur Folge, wodurch sie tatsächlich für die Nachkommen dominant werden könnten.


    Falls dies auftritt, könnten die Welpen aus dieser Verpaarung Dominanz für die erwünschten Merkmale aufweisen. Wenn das der Fall ist, bedeutet es, dass der Vererber dazu tendiert, sie als Folge der Dominanz der beteiligten Allele mit einer hohen Beständigkeit an die Nachzucht weiter zu geben. Ist man lange genug im Spiel, wird man Züchtergespräche gehört haben, die davon reden, ein Hund habe "seinen Nachkommen seinen Stempel aufgedrückt". Das ist, was sie damit meinen.


    Inzwischen mag man sich wohl wundern, wenn doch In- und Linienzucht zum Ergebnis haben, außerordentliche Ausstellungshunde durch die Verstärkung dieses großartigen genetischen Codes zu züchten, warum tun wir es nicht ständig? Nun, dafür gibt es natürlich einige Gründe. Der einzige aber wichtigste Grund ist, dass, wenn bestimmte genetische Informationen in hoher Konzentration kombiniert werden, so wird auch das verstärkt, was auch immer an Schwächen von dominanten Genen verdeckt gewesen war, selbst vor dem Hintergrund von Auskreuzungen.


    Zurück zu unserem Beispiel: obwohl der Großvater viele absolut hervorragende Qualitäten besaß, hatte er auch sehr schlechte Pfoten. Vielleicht sind schlechte Pfoten nahezu unbekannt in der Rasse, so dass diese Abweichung unbemerkt blieb, so lange der fragliche Deckrüde mit Hündinnen verpaart wurde, deren Pfoten zumindest so gut waren wie im Rassedurchschnitt. Die schlechten Pfoten bleiben in diesem Fall rezessiv, verdeckt durch die dominante genetische Tendenz zu guten Pfoten in der Rasse.


    Wenn man mit In- und Linienzucht zu experimentieren anfängt, wird, welche Kombination auch immer dafür verantwortlich war, dem Rüden schlechte Pfoten zu bescheren, auch dieses Merkmal durch die Konzentration verstärkt. So ist es möglich, dass die Hündin mit einem verwandten Deckrüden verpaart wird und beide brauchbare Pfoten haben und man sich nicht einmal bewusst ist, dass das "Schlechte-Pfoten-Problem" schon beim Großvater vorhanden war, dass man angesichts eines Wurfes von Welpen mit allen erwünschten Eigenschaften - außer eben, dass sie fürchterliche Pfoten haben – schockiert sein könnte.


    Ein großer Züchter mit Zeit und Geld könnte die Situation als Lern-Erfahrung ansehen, den Wurf aus seiner Zucht aussortieren und die Hündin zurück züchten in der Hoffnung, einen Wurf Welpen mit besseren Pfoten zu erhalten. Wenn der zweite Versuch gelingt - und das kann so sein – kann der ausgewählte Welpe für die Zukunft behalten werden und die anderen könnten in gute Aussteller- oder Familienheime umziehen. Die unterdrückte Tendenz zu schlechten Pfoten bliebe rezessiv, es sei denn, eine zukünftige Verbindung mit einem anderen Hund mit derselben genetischen Konzentration bringt es wieder hervor.


    Ein kleiner Züchter jedoch wird nicht den Luxus genießen, diese Verpaarung ein zweites Mal zu versuchen, die weniger als perfekten Welpen auszusortieren, und könnte sich dazu veranlasst fühlen, einen oder zwei Welpen als Ausstellungskandidaten zu behalten, ungeachtet ihrer Pfoten. In diesem Fall wird der genetische Code für schlechte Pfoten dennoch weiter gegeben, vielleicht nun als dominantes Merkmal. Und so hat der unermüdliche Züchter unbeabsichtigt einen erblichen Defekt in den Genpool einer Rasse eingebracht, der zuvor für schlechte Pfoten nicht bekannt war, außer in seltenen Ausnahmefällen.


    Der schrumpfende Genpool


    Die andere Schattenseite konsequenter In- und Linienzucht ist, wenn man fortwährend nahe Verwandte über mehrere Generationen verpaart, der Genpool auf lange Sicht so verringert wird, dass viele gute Qualitäten verloren gehen. Per Definition reduziert Inzucht die Anzahl der Genpaare, die von jedem Nachkommen ererbt werden können, weshalb Inzucht-Hunde eine so hohe Veranlagung für bestimmte Merkmale haben.


    Der Vorgang der Inzucht hat ganz einfach breite Variationen von Allelen aus dem genetischen Code dieser Hunde ausgeschaltet. Demzufolge ist es durchaus wahr, dass Inzucht auf lange Sicht an einem allgemeinen Verlust an Format, Fruchtbarkeit und Vitalität leidet. Diese Dinge werden durch Heterosis (das Vorhandensein einer großen Vielfalt von Genen) verbessert. Je in-gezüchteter der Hund ist, umso homozygoter ist sein Genotyp und umso weniger Zugriff auf Merkmale, die von einer Vielfalt der Allele abhängig sind, um hervor zu treten, ist möglich.


    Der Verlust an Vitalität - und die resultierenden genetischen Schwächen, die damit einhergehen - ist nicht allein durch Inzucht verursacht. Es kann sich um Merkmale handeln, die bereits vorher in einem rezessiven Zustand vorhanden waren und infolge der stetigen Konzentration durch Rückzüchtung auf die Linie der Hunde, die sie tragen, hervor gebracht wurden. Es könnte ebenso gut sein, dass diese Merkmale, die Vitalität, Fruchtbarkeit und das Freisein von genetischen Schwächen einschließen, auf Heterosis zurückzuführen sind, die sie hervor gebracht hat und in einem gesunden Zustand beibehält.


    Die richtige Balance


    In- und Linienzucht sollten immer mit wohlüberlegter Auskreuzung Hand in Hand gehen, um die allgemeine Gesundheit, Fruchtbarkeit, Intelligenz und das Temperament der Hunde sicher zu stellen. In- und Linienzucht kann sicherlich die spektakulären Individuen erzeugen, von denen man lange geträumt hat, aber Mutter Natur hat immer und immer wieder bewiesen, dass die bedeutendsten Verbindungen (Züchtungen, die beständig außergewöhnliche Exemplare hervor bringen) häufig die sind, die zwischen zwei nicht verwandten (obwohl möglicherweise liniengezüchtet in sich selbst) Individuen entstehen, deren Gene zusammen gefügt wurden, um das zu erhalten, was man gemeinhin als hybride Vitalität bezeichnet.


    Genetiker gestehen bereitwillig ein, dass sie nicht ganz sicher sind, warum hybride Vitalität funktioniert, aber es gibt keine Diskussionen um die Tatsache, dass unter bestimmten Bedingungen die Verpaarung zweier nicht verwandter Linien zur Entstehung eines Wurfes von Hunden führt, die wesentlich hervorragender sind als ihre Eltern. Dies gilt insbesondere im Zusammenhang mit Merkmalen, die von einer Anzahl unterschiedlicher Gene gesteuert werden, mehr noch als für solche, die sich sehr spezifisch zeigen. Zwei Beispiele für Letzteres würde die Arbeitsfähigkeit und Intelligenz einschließen. Diese Merkmale bestehen aus einer Vielzahl von Allelen, die Merkmale wie Gebäude und Gangwerk steuern. Körpergröße – die genetisch programmiert ist – kann von Umweltfaktoren wie Mangel an angemessener Ernährung stark beeinflusst werden. Knochen werden gemeinhin als mäßig erblich berücksichtigt und scheinen neben Substanz teilweise auf ihre genetische Dominanz in bestimmten Rassen oder Linien zurückzuführen zu sein. Demzufolge ist es erhöhte Heterosis oder Weitblick durch Züchtung auf ein breites Spektrum von genetischem Material, was die Chancen eines bestimmten Hundes erhöht, die Kombination des genetischen Codes zu erben, der im Ergebnis außergewöhnliche Ausstellungshunde bringt.


    Die magische Verbindung


    Wenn der genetische Code, den der Hund weiter gibt, eine Ähnlichkeit mit dem des Paarungspartners hat (richtiger gesagt: wenn die betreffenden Allele auf eine Weise kombiniert werden, die Dominanz in bestimmten wichtigen Aspekten herstellt, während rezessive unerwünschte Merkmale überdeckt werden), dann hat man den Welpen seiner Träume, und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder. Die Entdeckung dieser Zusammenhänge ist freilich 75% Stammbaum-Forschung und harte Arbeit, 20% Intuition und 5% reines Glück. Selbst Genetiker räumen ein, dass Glück, Chance und Zufall eine Hauptrolle im endgültigen genetischen Erbe von Vollgeschwistern spielen. Aus diesem Grund wird man voraussichtlich in einem einzigen Wurf einen Superstar, ein paar Überdurchnittliche, einen oder zwei absolut Durchschnittliche, und einen Rüden und eine Hündin bekommen, die ihr Gewicht in reinem Gold wert sind.


    Unglücklicherweise könnten vielleicht die am höchsten bewerteten Hunde von heute ihre außergewöhnlichen Eigenschaften nicht einmal an die nächste Generation auch nur annähernd mit der Beständigkeit ihrer Eltern weiter geben. Die Vielfalt kombinierter Merkmale, die sie hervorragend gemacht hat, kann sich mit denen der Nachzucht der nächsten Generation auf eine Weise verbinden, die diese uneinheitlich und fehlerhaft macht. Es hängt stark von den genetischen Codes ab, die von Zuchthündin und ausgewähltem Deckrüden eingebracht werden. Und so beginnt der Kreislauf von neuem: die Frage, ob man Linienzucht betreibt und in welchem Umfang, oder Inzucht und mit wem, wann man auskreuzt und welche Linien den benötigten "Stempel" bieten, um die nächste Generation von Superstars hervor zu bringen. Wieder ist es das Wissen und die Intuition, was die Chancen auf Erfolg erhöhen wird.